Die Risiko-Rechnung von Professor Bahrs

Pressebericht vom Erdinger Anzeiger vom 06.02.2014

Erding - Landwirtschaft bedeutet nicht nur Felder zu bestellen oder Tiere zu versorgen. In der Landwirtschaft von heute spielt auch die Buchführung eine große Rolle. So steht der Bauer nicht nur im Stall, sondern sitzt auch fleißig an seinem Schreibtisch - oder im Schulungsraum der Raiffeisenbank Erding. Dort informierten kürzlich Finanz- und Versicherungsspezialisten über landwirtschaftliche Betriebswirtschaftslehre, nachhaltige Bewertung und Management. 75 Bauern brachten sich auf den neuesten Stand. Vorstandsvorsitzender Christian Berther freute sich über den großen Andrang. Nach Berthers Begrüßung referierte Prof. Dr.  Enno Bahrs von der Uni Hohenheim Stuttgart über die drei Bereiche. Dabei durften die Teilnehmer interaktiv mitwirken und konnten verschiedene Fragen des Referenten wie "Für welchen Preis würden Sie ein Los mit der Chance auf eine Million Euro Gewinn verkaufen, von denen es nur zwei gibt"? Solche und ähnliche Fragen dienten dazu, Wahrscheinlichkeiten und Verhaltensmuster aufzunehmen. Zudem mussten die Landwirte ihren eigenen Betrieb bewerten oder Marktpreisrisiken festlegen. Die meisten Landwirte sprachen sich beim Thema Gewinn lieber für einen moderaten Überschuss aus, der dafür stetig erzielt wird, als große Chancen auf mehr Geld wahrzunehmen, wenn dabei auch das Risiko eines Verlustjahres besteht.
Bei der Bewertung von Risiken in der Landwirtschaft verdeutlichte Bahrs, dass jeder wissen solle, welche Risiken man bewusst eingehe oder wann eine Absicherung sinnvoller sei. Jeder Landwirt müsse aber die Risiken mit dem Herz und dem Geldbeutel für sich selbst bewerten. Der allgemeine Trend in der Landwirtschaft ist laut Bahrs, dass Betriebe sich umstellen müssen. Die Erwartungen der jungen Landwirte, speziell der Frauen in der Landwirtschaft, sind andere als die der vorhergehenden Generation. Während die Älteren nur für ihren Hof lebten, zählen für die jüngeren Landwirte auch Freizeit, Urlaub und mehr Technikeinsatz. Dreh- und Angelpunkt ist es, den eigenen Betrieb richtig einzuschätzen. Das gilt auch für den Versicherungsbereich. Besonders wichtig ist es laut Robert Sinhart von der Versicherungskammer, dass die versicherten Werte aktuell sind, um im Schadensfall auch alles ersetzt zu bekommen. Besprochen wurden Risiken wie Produkthaftpflicht, Umwelt- und Gebäudeschäden. "Unbedingt die Vorgaben einhalten, damit danach auch der optimale Versicherungsschutz gewährleistet ist", empfahl Sinhart. Dann sind die Risiken in der Landwirtschaft überschaubar.
Damit alle Informationen auch umgesetzt werden können, erhielten die Teilnehmer eine Checkliste über die Risiken in der Landwirtschaft. Tierisch wurde es für die Referenten, die je eine Schokoladenkuh als Dankeschön bekamen. TEXT: do

Interessiert verfolgten die Landwirte die Ausführungen der Referenten. Foto: FKN